Was heißt „Systemisch“?

 

Der Mensch ist sowohl Individuum als auch soziales Wesen.

Die meisten Menschen sind eingebettet in ein aktuelles

Familien- oder Paarsystem.

Wir alle blicken auf ein Herkunftssystem.

Außerdem sind wir meist Mitglieder anderer Systeme

wie die Schulklasse, das Kollegium, der Verein etc.

All diese Systeme wirken auf den Menschen,

so wie er ebenfalls auf das System wirkt.

Dieser Wechselwirkung wird in der systemischen Therapie Rechnung getragen.

So liegt manchmal die Lösung eines Problems nicht allein

beim Individuum bzw. dessen Behandlung,

sondern im System begründet, dem dieser Mensch zugehört.

Daher werden z. B. Familienmitglieder oder Partner

häufig in die Therapie einbezogen.

Bei beruflichen Systemen kann z. B. auch ein gemeinsames Bearbeiten

von Problemen im Rahmen einer Supervision angezeigt sein.

Verschiedene Verfahren und Techniken kommen

sowohl bei der Diagnostik als auch bei der Bearbeitung

systemischer Probleme bzw. systemisch

bedingter Symptome zum Einsatz.

 

Wichtige Ansätze zur Begründung der heutigen Systemischen Therapie kamen aus der Humanistischen Psychologie, zum Beispiel von Virginia Satir. Diese stellte Selbstwert und die Kommunikation innerhalb eines Systems in den Mittelpunkt und arbeitete bereits früh mit Familienskulpturen. Andere wichtige Einflüsse verdankt die Systemische Therapie dem Konstruktivismus. Stichworte sind hier z. B. das „Familienspiel als Sprachspiel“ als Hinweis auf die Auffassung, das (Familien-)Systeme oftmals in sich wiederholenden unbewussten Verhaltensmustern, den „Spielen“ verstrickt sind. Zentrale Methoden sind hier das so genannte „Zirkuläre“ oder „Hypothetische“ Fragen, Techniken, die diese Muster für alle Beteiligten sichtbar und damit veränderbar machen sollen. Ebenfalls aus konstruktivistischer Sicht entstand die bei vielen Systemischen Therapeuten die Auffassung, das Menschen multiple Realitäten konstruieren, d. h. aufgrund von Vorannahmen und daraus resultierenden Wahrnehmungen eben auch bestimmte „Erlebnisse“ entstehen, die in ihrer Rückwirkung schließlich das System – auch in seiner Problematik – immer wieder stabilisieren. Ein wichtiges Augenmerk gilt zum Beispiel der Untersuchung von Kommunikationsstrukturen in Systemen: Wer redet auf welche Weise was mit wem und was drückt diese Kommunikation auch auf der nonverbalen Ebene aus? Mit dem „reflecting team“, der Suche nach Ausnahmen (Wann geht’s besser?), Hausaufgaben und Kooperationstechniken sowie Anleihen aus der Transaktionsanalyse (Eine Therapieform, die mit der Vorstellung von verschiedenen Ich-Zuständen, bewussten und unbewussten Verträgen untereinander, der Skript- und Kommunikationsanalyse arbeitet und die –populärwissenschaftlich verkürzte – Lösung: „Ich bin o.k. – Du bist o.k.“ anstrebt)

kommt hier die Systemische Therapie zum Einsatz.

 

Ein weiteres inzwischen häufig angewendetes Verfahrungen bei der Lösungssuche von

Problemstellungen in Familien und anderen Systemen sind die

 

Familien- und Systemaufstellungen.

 

Das Verfahren in seiner heute am häufigsten praktizierten Form wurde von dem

Psychotherapeuten und Theologen  Bert Hellinger entwickelt.

Seine Fähigkeit, die in den Phänomenen wirksamen Hintergrundkräfte zu entdecken, machte es ihm möglich, die Aufstellungsarbeit auf ein Fundament zu stellen. Er formulierte Ordnungen, die ein System in Gleichgewicht halten oder deren Verletzung ein Ungleichgewicht herbeiführen, das die Beteiligten zum Ausgleich drängt. Eine seiner wichtigen Entdeckungen war, dass der Ausgleich im Regelfall generationsübergreifend erfolgt. Die Kraft, die den einzelnen dazu drängt, ist das von ihm entdeckte "Gewissen" des Systems.

Hellinger gibt sozialen Systemen ein eigenes Gedächtnis und ein eigenes Gewissen, das im persönlichen Gewissen nicht spürbar ist, dessen Wirkung sich nur in den schicksalhaften Ereignissen erschließt. Sein Systembegriff gibt dem Aphorismus "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" neuen Inhalt und bietet nicht nur methodisch eine Fülle neuer Zugangsweisen zu psychischen und sozialen Problemen. Sein Wissen entsteht aus induktiven Erkenntnisprozessen, die Phänomene in sinnhafte Zusammenhänge stellen.

In unserer Gegenwart, die geprägt ist von Individualismus und Freiheitsglaube, in der viele Menschen so tun, als seien sie losgelöst von den Mythen und Schicksalen aus dem familiären Ursprungs, aus dem sie stammen, zeigt Hellinger, dass auch die Familie und deren oft lang vergangene, schicksalhafte Ereignisse bis in unser heutiges Leben wirken können. Seine neueren Entwicklungen beziehen sich auf Übertragungen eines Teiles der Gesetze des Familienstellens auf andere Formen von Systemen und Organisationen. In den Arbeiten zur "Bewegung der Seele" und den "Bewegungen des Geistes" werden Lösungen für Konflikte zwischen größeren sozialen Verbänden deutlich, die neugierig machen darauf, in welche Bereiche die als Familienstellen begonnene Aufstellungsarbeit noch vordringen mag.

 

 

Verstrickungen lösen

Den eigenen Platz finden

 

 

Die Aufstellungsmethode ist geeignet für Menschen, die eine Lösung für Probleme in ihrer Partnerschaft, der Familie, in Beruf und sonstigem sozialen Umfeld sowie bei körperlicher Erkrankung suchen.

Je nach Anliegen können Gegenwarts- oder Herkunftssysteme

sowie Konfliktsituationen aufgestellt und bearbeitet werden.

Das konkrete und ernsthafte Anliegen sowie eine achtsame Haltung gegenüber sich selbst und

anderen sind unverzichtbarere Vorbedingungen zur Teilnahme.

 

Die Aufstellungsmethode ist ein Verfahren, das konkret sicht- und fühlbar machen kann, welche Kräfte in unserem Leben, unseren Beziehungen, der Herkunfts- oder Gegenwartsfamilie oder anderen Gruppen wirken. Bisher unzugängliche Einsichten über Verstrickungen, Bindungen und Störungen einer wohl tuenden Ordnung können offenbart und Lösungen für die Seele und das alltägliche Leben sichtbar werden. Das sich in der Aufstellung zeigende Szenario und das entwickelte Lösungsbild kann darüber hinaus helfen, Fremd- und Selbstbild abzugleichen, kann Entscheidungshilfe, mindestens aber Inspirationsquelle sein.

 

Zentrales Arbeitsmittel in Aufstellungen ist die so genannte „repräsentierende Wahrnehmung“.

Für die einzelnen Mitglieder eines Systems werden jeweils Stellvertreter aus der Seminargruppe im Raum zueinander in Bezug gestellt. In dem folgenden Prozess wird das dargestellte „Problembild“

durch Rückmeldung der Stellvertreter einerseits, durch Vorschläge und Intervention des Leiters

andererseits in ein „Lösungsbild“ überführt. Die Orientierung bei der Lösungssuche folgt

dabei Ordnungen, die in Familien und anderen Systemen deutlich spürbar wirksam sind,

wie das Recht auf Zugehörigkeit, die „Rangordnung“ oder

die Unveräußerlichkeit persönlichen Schicksals.

 

Nächster Termin „Familienstellen“ siehe unter „Termine“